Konservierungsmittel in Lebensmittel Etikett

Bedrohen Konservierungsmittel Ihre Gesundheit?

Bakterien können krank machen, Konservierungsmittel auch – erfahren Sie mehr über die Zusammenhänge von haltbaren Produkten, Ihrem Körper und worauf Sie achten sollten.

Auf Schritt und Tritt wird uns heute Essen angeboten – Currywürste, Chicken Wings, Hotdogs, Fish and Chips, Hamburger, Pommes frites, Pizzen, Döner Kebab und Sandwiches an jedem Bahnhof, am Flughafen, am Alpenpass, am Strand, beim Festival, auf dem Sportplatz oder im Kino. Wie bleiben eigentlich Lebensmittel frisch beim Transport und während der Lagerung in Dosen, Gläsern oder Plastiktüten? Wie stoppt die Industrie das Verderben von Kosmetika, Wandfarben oder Kleidung? Wie kann man diese Stoffe erkennen, wie gelangen sie in unseren Körper und welchen Schaden können sie anrichten? Wie kann man gesundheitsschädliche Konservierungsstoffe meiden?

Seit ewigen Zeiten versucht der Mensch, Produkte des täglichen Gebrauchs wie Kosmetika oder Lebensmittel möglichst lange zu konservieren. Konservierung kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Erhalten oder Bewahren und befasst sich damit, die umweltbedingte und natürliche Alterung hinauszuzögern. Durch Photolyse, Chemolyse, Oxidation und Hydrolyse können Produkte ihre Gebrauchstauglichkeit, Farbe oder Geschmack verändern und damit würde man solche Waren nicht mehr verkaufen können. Den Einfluss von Mikroorganismen wie Algen, Flechten, Fäulnisbakterien, Schimmel- und Hefepilzen will die Industrie möglichst effektiv und nachhaltig zurückdrängen. Nahrungsmittel werden immer seltener durch Fermentieren, Pökeln, Süßen, Räuchern, Säuern, Schwefeln, Kochen, Kühlen oder Trocknen haltbar gemacht, sondern unser Essen wird meist chemisch konserviert und bestrahlt. Ein wirkungsvoller Chemikalieneinsatz schadet nicht nur, wie gewünscht, den produktzerstörerischen Mikroorganismen, sondern auch den harmloseren, denn das Konservierungsmittel kann nicht zwischen „guten“ und „bösen“ Bakterien unterscheiden. Welche Nebenwirkungen müssen wir hierbei befürchten? Eine kurzzeitige und effektive Vernichtung schädlicher Bakterien durch Desinfektion mag einzelfallbezogen noch sinnvoll und relativ unschädlich sein, jedoch ist eine nachhaltige Bekämpfung von Mikroorganismen durch manche antibiotische Chemikalien im Essen oder in Gebrauchsgegenständen auch für uns Menschen gefährlich. Ob sie, einzeln betrachtet, toxisch, immunstörend, hormonell wirksam, erbgutverändernd oder sogar krebserregend sind, kann man nur schwer nachweisen. Die Behörden und die Industrie sehen beim Einsatz erlaubter Konservierungschemikalien keine Gefahr für Verbraucher. Addiert man jedoch die verschiedenen Konservierungsantibiotikas, die man täglich verzehrt, oder betrachtet man die Gefahr von Kombinationseffekten zwischen all den verschiedenen Stoffen, dann sollte man vorsorglich solche Produkte meiden.

Auf einige Stoffe sollte besonders hingewiesen werden, da sie in Produkten aber auch auf und in unserem Körper effektiv wirken. Diese sind u.a. die Parabene und Benzoate in Kosmetika, Antimontrioxid, Benzoesäuren (E 210-213) in Nahrungsmitteln und Isothiazolinone aus Reinigern und Wandfarben oder Lacken, die sich im Hausstaub oder in der Raumluft anreichern. In Kleidung und Raumausstattungen finden wir Pyrethroide, Triclosan, Fluorpolymere, Glyoxal und Zinnverbindungen. Isothiazolinone haben neben der erwünschten antimikrobiellen auch eine hohe wassergefährdende Wirkung. Sie können bei Menschen durch direkten Kontakt oder über die Luft eine Sensibilisierung der Haut und der Schleimhäute herbeiführen und sie wirken allergieauslösend. In Kosmetika dürfen sie deshalb nicht mehr verwendet werden, umso mehr werden diese Konservierungsmittel in Haushaltschemikalien und wasserbasierten Bauprodukten eingesetzt. Warum sollte man sich selbst vor solch kleinen Mengen abiotischer Chemikalien in acht nehmen?

Die Auseinandersetzung mit solchen Chemikalien kann ein gesunder Mensch womöglich ohne größeren Schaden bestehen. Aber was passiert eigentlich mit unserer eigenen ausgeklügelten Mikroflora, die bei den meisten Menschen in Folge antibiotischer Pharmazeutika sowieso schon vorgeschädigt sein dürfte? Immer mehr Mediziner und Hygieniker befürchten diesbezüglich eine mikrobielle „Massenvernichtung“ mit weitreichenden Folgen. Zudem wird vermutet, dass der Kampf gegen die Bakterien sowieso nicht zu gewinnen ist, da der gesunde Menschen ca. 10 mal mehr Bakterien als Körperzellen hat und wir daher nur mit und nicht gegen unsere Mitbewohner handeln sollten. Bakterien in unserem gesamten Umfeld lernen immer besser, wie sie sich gegenüber „Antibiotikas“ schützen oder ausweichen können. Resistente Keime bekommen häufiger die Oberhand als uns lieb sein dürfte und das ist, wie wir alle wissen, nicht nur gesundheitsgefährlich sondern lebensbedrohlich. Wenn solche Überlebenskünstler sich in unserem Körper massenhaft vermehren und ausbreiten, wird es auch unser Immunsystem schwer haben, mit ihnen fertig zu werden. Vor allem verdrängen diese gefährlichen Keime deren natürliche  Gegenspieler, die wir für einen intakten Stoffwechsel und ein mikrobielles Gleichgewicht dringend brauchen. Pilze, Viren, Bakterien und Parasiten halten sich gegenseitig in Schach und wenn eine Gruppe eines unserer Organe „befällt“, muss unser Immunsystem intensiv eingreifen – sofern es gerade kann und nicht anderweitig in Beschlag genommen wird – wie dies bei vorgeschwächten oder chronisch Kranken der Fall sein kann.

Der Mensch beherbergt insgesamt ca. 100 Billionen Bakterien und eine möglichst große Speziesvielfalt ist für uns also überlebenswichtig. Die Werbung, die Wissenschaft und unsere Lehranstalten vermitteln leider undifferenziert, dass vorwiegend Keime für Krankheiten ursächlich verantwortlich sind. Meist bleibt die tatsächliche Ursachenkette für massenhafte Keimvermehrungen unberücksichtigt. Nur selten wird die Bedeutung eines geschwächten Immunsystems durch eine instabile Mikroflora erkannt und gebührend diagnostisch und therapeutisch berücksichtigt. Bakterien sind also besser als ihr Ruf – man muss deren Anzahl zwar regulieren, aber man darf nicht versuchen sie gänzlich auszulöschen. Der Mensch braucht ein bakterielles Gleichgewicht vor allem im Magen-Darmtrakt, um gesund zu bleiben. Alleine im Darm leben Billionen von Bakterien. Diese Mikroorganismen helfen uns beim Verdauen und Verwerten der Nahrung. Sie helfen uns, Mineralien und Vitamine aus der Nahrung aufzuschlüsseln, halten die Schleimhautbarrieren intakt und  stimulieren unser Immunsystem. Für diese Arbeit steht eine regelrechte Armee von einigen tausend Bakterienstämmen bereit. Sie machen etwa 1,5 bis zwei Kilogramm aus. Diese Mikroorganismen haben aber auch in anderen Körperregionen wie im HNO Bereich, auf der Haut, in der Lunge oder in den Harnwegen wichtige Funktionen. Wie wichtig eine ausgeglichene Darmflora ist, merkt man dann, wenn sie geschwächt wird und in ein Ungleichgewicht fällt, denn dann können krankheitsauslösende Keime sich massenhaft vermehren und die Magen- und Darmschleimhaut schädigen, wodurch Bakterien in das Blut- und Organsystem gelangen können . Der Darm zum Beispiel bietet den Mikroorganismen reichlich Nahrung. Der Mensch wiederum profitiert von den Stoffwechselprodukten der kleinen Mitbewohner. Sie liefern etwa das wichtige Vitamin B12 oder das Vitamin K. Und sie sorgen für ein saures Milieu, das Krankheitserregern wenig behagt. Viele Mikroorganismen sind umweltbedingt sowieso da, ohne dass sie etwa auf der Haut oder im Darm dem menschlichen Körper etwas Böses oder Gutes tun. Das gilt selbst für potenziell gefährliche Kandidaten wie etwa Pneumokokken in den Atemwegen oder Bakterien in der Blase, die auch in einem gesunden Körper vorhanden sind. Erst dann, wenn sie sich massenhaft vermehren, weil das Immunsystem nicht mehr damit fertig wird oder weil natürliche Gegenspieler fehlen, wirken sie sich negativ aus. Im Fall der Pneumokokken kann etwa eine Lungenentzündung entstehen.

Wie bei den Schleimhäuten im Körper verhält es sich auch mit den Hautbakterien. Es leben auf dem dünnen Fettfilm unserer Haut gesund erhaltende Bakterien, und zwar reichlich und in friedlicher Koexistenz: Auf trockenen Hautstellen tummeln sich pro Quadratzentimeter ungefähr 1.000 dieser Kleinstlebewesen. In fettigen Bereichen wie etwa auf der Stirn können es auch einige Millionen pro Quadratzentimeter Haut sein, ohne uns dabei zu schaden. Forscher der Universität New York entdeckten allein auf den Armen gesunder Menschen ca. 180 verschiedene Bakterienarten. Sie fanden auch heraus, dass jeder Mensch einen ganz individuellen Bakterienzoo beheimatet – abhängig von Ernährung, Geschlecht, Hygiene und Klima. Diese „guten“ Bakterien arbeiten sozusagen als Müllbeseitigung für Hautschuppen und Talgreste, welche „bösen“ und gesundheitsbedrohlichen Bakterien wie etwa Eitererregern einen Nährboden bieten könnten. Daher sollte man die Haut auch nicht übermäßig reinigen oder sogar antibiotisch „desinfizieren“ und damit alle guten Bakterien entfernen. Übertriebene Hygiene kann die Ausbreitung von Krankheitserregern sogar fördern. Bakterien leben nicht nur auf der Haut, auch in den Atemwegen einschließlich Mund und Nase existieren viele dieser Mikroorganismen. Allein in der Mundhöhle tummeln sich mindestens 1.000 verschiedene Bakterienarten. Schier unvorstellbar ist die Zahl der Keime auf einem ungeputzten Zahn – etwa eine Milliarde Bakterien schätzt man im Mundbereich. Auf einem geputzten Zahn befinden sich immer noch einige 1.000 Bakterien.

Im gesunden Körper sollten, abgesehen vom Verdauungstrakt, alle inneren Organe und auch das Blut bakterienfrei sein. Besonders im Blut sind diese Kleinstlebewesen gefährlich, deshalb gilt zuallererst die oberste Sorgfalt für unser Immunsystem. Was die Schädlichkeit einzelner Mikroorganismen angeht, sind die Forscher gerade dabei, sich von der Vorstellung zu verabschieden, dass nur jeweils eine Bakterienart krank mache. Man spricht heute eher von polymikrobiellen Krankheiten, die durch das Zusammenwirken mehrerer Mikroben entstehen.

Bakterien gibt es überall, also können sie alle anfälligen Produkte befallen und die Industrie wird alles daransetzen, sie durch den Einsatz von Chemikalien zurückzudrängen. Also werden Ihnen die Konservierungsmittel immer häufiger begegnen. Für Ihr alltägliches Handeln gilt, dass ein Kampf gegen die Keime, wie er bisher mit Konservierungsstoffen oder Antibiotika geführt wurde, nicht gewonnen werden kann. Deshalb sollten Sie beim Konsum Konservierungsmittel meiden.

Im beruflichen Umfeld sollten wir sie nur gezielt und mit Bedacht einsetzen. Frisch zubereitete Nahrungsmittel brauchen solch eine Haltbarmachung meist nicht und verpackte Lebensmittel sollten genau unter die Lupe genommen werden. Direkt am Körper sollte man naturbelassene und nicht ausgerüstete Stoffe tragen. Auf der Haut sind natürliche Kosmetika ohne Konservierungsstoffe ratsam (Kosmetik-Inhaltsstoffe unter TOXFOX). Für den Schlafplatz und die Wohnung bzw. Möbel und Raumausstattung gilt das Gleiche – Konservierungsmittel in Farben, Lacken, Reinigern und Waschmitteln sollten genauso wie auch die anderen bekannten Schadstoffe vermieden werden. Durch Wohnraumuntersuchungen konnten unsere Messtechniker nachweisen, dass sich die flüchtigen Schadstoffe und Konservierungsmittel im Hausstaub und in der Raumluft anreichern. Umweltmediziner stellten zudem fest, dass sich in der Bevölkerung eine stark zunehmende Empfindlichkeit gegenüber Konservierungsstoffe nachweisen lässt. Infos über geprüfte Produkte oder Umwelt- und Humananalyseverfahren erhalten Verbraucher kostenlos bei der DGUHT.

Karl-Heinz Weinisch
Leiter des Arbeitskreises Produktinformation

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