Allergie/Atopie – Heuschnupfen – Neurodermitis – Asthma auf stetigem Vormarsch!

U.a. Prophylaxeansätze schon während der Schwangerschaft und im Säuglingsalter, zielführende Therapieansätze in der Naturheilkunde

Allergien und Atopische Erkrankungen sind in den letzten Jahrzehnten sprunghaft angestiegen. Dies zeigt eine Studie des Deutschen Grünes Kreuzes, Marburg aus dem Jahr 2001 auf.

Die Allergiehäufigkeit stieg von 1980 mit ca. 10% der Bevölkerung, im Jahr 1990 auf das doppelte an und erreichte bereits 2000 ca. 30% der Bevölkerung. Laut Schätzung des Verfassers sind im Jahr 2018 bereits ca. 50% der Bevölkerung von Allergien betroffen.

Allergie und Atopie, zwei verschiedene Begriffe mit vielen Bedeutungen, hier sind beispielhaft einige aufgezählt: Atopisches Ekzem, Allergische Dispostion, Pollenallergie, allergische Bindehautentzündung, „intrinsic Asthma“, atopische Dermatose, Hautallergie, Allergische Rhinitis …

Als Betroffener, bzw. auch als Familienangehöriger ist man mit diesen Fachbegriffen und Problematiken zunächst oftmals überfordert, deshalb möchte ich hier noch einmal die Definitionen der beiden Begriffe kurz darstellen:

Als Allergie wird eine überschiessende krankhafte Abwehrreaktion des Immunsystems auf bestimmte normalerweise harmlose Umweltstoffe (Allergene) bezeichnet.

Man unterscheidet 4 verschiedene Arten von Allergien, wobei der Typ I und IV im Zusammenhang mit Allergien und Atopie eine große Rolle spielen.

Typ I – Allergische Sofortreaktion:

Dabei produziert das Immunsystem zunächst spezifische Antikörper der Klasse Immunglobulin E (IgE), wenn das Allergen mit dem Körper über die Haut oder Schleimhäute in Kontakt kommt und fälschlicherweise als fremd erkannt wird.

Beispiele: Heuschnupfen, allergisches Asthma, Überempfindlichkeiten auf Nahrungsmittel und Arzneien, Insektenstiche und der anaphylaktische Schock.

Typ IV – Zellvermittelte verzögerte Reaktion:

Diese Zellen lösen beim Kontakt mit dem Antigen vor Ort eine Aktivierung des Immunssystems aus. Oftmals treten Gewebeschäden erst nach Tagen ein, deshalb wird dieser Typ auch „Spätreaktion“ genannt.

Im direkten Zusammenhang mit allergischen Erkrankungen steht der Begriff der Atopie. Mit diesem Begriff wird eine vererbbare Neigung bezeichnet, einen bestimmten Typ allergischer Reaktionen (Typ 1 Reaktion) auszuprägen.

Atopie beschreibt eine Neigung mit Überempfindlichkeitsreaktionen, nämlich mit allergischen Reaktionen des Soforttyps (Typ-I-Allergie), auf den Kontakt mit ansonsten harmlosen Substanzen aus der Umwelt zu reagieren. Inkorrekterweise wird die Bezeichnung Atopie auch als synonym für Allergien des Soforttyps verwendet.

Unter dem Begriff Atopie werden oftmals Heuschnupfen, Bronchialasthma und Neurodermitis zusammengefasst.

Das Risiko für Neugeborene an einer atopischen Erkrankung zur erkranken, ist um ein vielfaches höher, wenn sich in der Familie bereits atopische Erkankungen häufen. Je nachdem ob beide Elternteile betroffen sind, evtl. sogar mit gleichen Symptomen, aber auch wenn ein Geschwisterkind an einer Atopie erkrankt ist.

Gibt es Prophylaxemöglichkeiten in der Schwangerschaft bzw. bei der Geburt?

Es stellt sich die Frage, ob es nicht bereits in der Schwangerschaft, bzw. bei der Geburt des Kindes entscheidende prohylaktische Ansätze gibt, Allergien bzw. Atopische Erkrankungen zu „verhindern bzw. zu reduzieren“?

Dies kann ganz klar mit „ja“ beantwortet werden.

Um dies zu verdeutlichen möchte ich Ihnen mit „einfachen Erklärungen“ die Immunbalance erklären.

Unser Immunsystem befindet sich zu 80 % in unserem Darm, in den sog. Peyerschen Plaques.

Ein bedeutender Teil unseres komplizierten zellulären Immunsystems besteht aus Lymphozyten.

Die sog. T-Helferzellen, bekannt geworden durch die HIV Erkrankungen, erfüllen eine wichtige Aufgabe, sie werden unterschieden in TH 1 und TH 2. Sie erzeugen Botenstoffe, dadurch werden Sie labortechnisch unterschieden.

TH1 Zellen setzen Immunbotenstoffe frei, zur Abwehr bakterieller oder viraler Infekte.

TH2 Zellen setzen sog. Interleukine frei, und sind somit bei allergischen und parasitären Geschehen vorrangig beteiligt.

Dominanzen der TH2 Reaktion sind bei den Atopischen Erkrankungen, Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu finden. Im Mutterleib, sowohl in der Schwangerschaft, als auch in der frühen Kindheit dominieren Immunantworten vom Typ TH 2. Somit begünstigt dies Atopische Erkrankungen.

Daraus kann gefolgert werden, dass die „Darmgesundheit“ bei Schwangeren eine entscheidende Rolle spielt. Ziel ist es daher in der Naturheilkunde eine physiologische Darmschleimhaut (Mikrobiota) schon in der Schwangerschaft anzustreben, welche z.B. durch die Einnahme von Pro, Prä- oder Synbiotika erreicht werden kann. Dies sichert mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine „vaginale Geburt“, welche wiederum eine entscheidende Rolle im Zusammenhang mit atopischen und allergischen Erkrankungen spielt.

Die nachfolgene Darstellung zeigt den Unterschied zwischen einer „vaginalen Geburt“ und einer „Kaiserschnittgeburt“:

Sinnvolle Prophylaxemöglichkeiten mit Pro- und Präbiotika?

Prophylaxemöglichkeiten ergeben sich somit über die orale Einnahme von sog. Pro,- Prä- und Synbiotika.

Probiotika enthalten lebende Bakterien in hoher Anzahl, die bei Einnahme einen Nutzen für den Anwender darstellen. Präbiotika sind unverdauliche Kohlehydrate die selektiv bereits vorhandene Darmbakterien zur Wachstumsförderung dienen bzw. „diese ernähren“. Synbiotika sind Kombinationen aus Pro- und Präbiotika.

Laut einer Studie der Firma Allergosan („Pandastudie“, siehe Quellenangabe 1), wird durch das Präprarat Omni-Biotic PandA, die Darmflora der Mutter optimal auf die Geburt vorbereitet, die Erkrankungen des atopischen Formenkreises signifikant reduziert und es hilft bei 3-Monats-Kolliken (prophylaktisch und akut). Zudem wird der Darm von Anfang an mit den richtigen Darmbakterien besiedelt, dies ist wichtig für die Entwicklung des Immunssystem (siehe oben TH1 und TH2-Balance) des Säuglings.

Somit ergeben sich sowohl schon in der Schwangerschaft, als auch bereits in den ersten Monaten nach der Geburt, erfolgbringende Prophylaxe- und Therapiemöglichkeiten, ohne großen Zeit- und finanziellen Aufwand.

Welche entscheidende Rolle die „Darmgesundheit“ bei Allergien und Atopien nicht nur in der Schwangerschaft spielt, möchte ich hier noch einmal kurz erläutern.

Zusammenhänge des „Netzwerks: Darm-Haut-Schleimhaut-Immunsystem“:

Unser Darm mit seiner Größe von ca. 400 qm, seinen ca. 100 Millionen Nervenzellen, und der „Beherbergung des Immunsystem“ mit ca. 80 % in den Peyerschen Plaques, ist Bildungsort vieler Vitamine, an der Nährstoffresorption und Ausscheidung von Stoffwechselprodukten, Bildung von hormonellen Botenstoffen und vielen anderen wichtigen Aufgaben zu unserer Gesunderhaltung beteiligt.

Wie aus der nachfolgenden Grafik zu sehen ist, resultieren daraus vielfältigste „Darm-assoziierte Erkrankungen“, u.a. die des „Atopischen Formenkreises“.

Störungen des „Darm-Schleimhaut-Netzwerkes“, haben durch Wegfall der Barriere- und Immunfunktion, ein sog. „Leaky-Gut-Syndrom“ zur Folge.

Einfach erklärt, bedeutet dieser „löchrige Darm“, dass durch eine eingeschränkte Funktion der „Diffusionsbarriere“ der sog. „tight junktions“ (engl. = „dichte Verbindung), es sind Proteinkomplexe, die die Durchlässigkeit der Damrschleimhaut regeln, die physiologische Darmfunktion nicht mehr gewährleistet ist.
Die Möglichkeit, über die Durchlässigkeit der „tight junktions“, pathogene Stoffe, Allergene und Toxine selektiv abzuhalten ist nicht mehr gewährleistet. Dadurch wird es körperfremden Stoffen ermöglicht diese Barriere zu überwinden und im Körper, u.a. lokale, systemische und entzündliche Prozesse, hervorzurufen. Das sog. Leaky Gut Syndrom wird oft mit chronisch entzündlichen Prozessen und Allergien in Verbindung gebracht.

Zum Abschluss möchte ich noch auf ergänzende therapeutische Möglichkeiten der Vorbeugung, und einiger naturheilkundlicher Therapieformen hinweisen. Diese sind nur beispielhaft aufgezählt und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Weitere Prophylaxemöglicheiten, hier speziell für die Frauen, bereits vor und während der Schwangerschaft, als auch nach der Geburt:

Bei der Planung von „Zuwachs eines Kindes“ sollte deshalb speziell bei der Mutter an folgende wichtige Kriterien gedacht werden und nach Möglichkeit auch umgesetzt und durchgeführt werden:

  • Labortechnische Abklärung von Schwermetallen, Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Umweltbelastungen, gegebenfalls Behandlung und Ausleitung durch spezialisiertes Fachpersonal wie Ärzte und Heilpraktiker
  • Darmsanierung und evtl. Entgiftung zur Herstellung einer physiologischen Darmflora
  • Substitution von Pro-, Prä- oder Synbiotika
  • Erhebung eines Vitamin- und Mineralstoffstatus und erforderlichenfalls Substitution
  • Abklärung der hormonellen Situation, wenn nötig Therapie mit bioidentischen Hormonen und homöopatischen/naturheilkundlichen Mitteln
  • Ausgeglichene Lebensweise, Vermeidung von Stress, ausreichend Schlaf

Empfehlungen für den Säugling:

  • Stillen, sofern keine größeren Belastungen der Mutter
  • Meidung von Milchersatz, Milch, Gluten, Eiprodukte
  • Zuführung von Pro-, Prä- oder Synbiotika unmittelbar nach der Geburt
  • Ergänzung von Mikro- und Makronährstoffen, sowie Vitaminen und Spurenelementen

Sinnvolle ergänzende naturheilkundliche Therapiemöglichkeiten

Naturheilkundliche Therapieoptionen, beispielhaft aufgezählt, die zielgerichtet Erfolge versprechen: Klassische Eigenbluttherapie, aber auch die UVE Eigenblutherpie (Bestrahlung des Blutes mit UV Strahlung), Akupunktur, Ausleitungs- und Entgiftungstherapien, einschl. Schwermetallausleitung, Immunmodulierende Therapien wie z.B. „Spenglersantherapie“, Gegensensibilisierung nach Dr. Theurer bei exo- und endogenen Allergien,
urexent Therapie ® der Firma FBM, Ernährungstherapie, Homöopathie und Homöo-Isopathie, Ozon-Beutelbegasungen, Magnetfeldtherapie zur Zell- und Hautregeneration, Injektions- und Infusionstherapien ….

Da die Naturheilkunde immer eine ganzheitliche Betrachtung der gesundheitlichen Problematiken sieht, ist es mir auch wichtig, die metaphysischen und seelischen Betrachtungsweisen einzubeziehen, sofern der Patient dies wünscht und sich darauf „einlassen“ kann, Beispiele dazu sehen Sie in meiner beigefügten powerpoint Folie:

Abschließend, als Resümee ist festzustellen, dass durch einfache Maßnahmen, viel erreicht werden kann, um Allergien und Atopische Erkrankungen im Vorfeld gar nicht erst entstehen zu lassen. Frühe Prophylaxe ist besser als Nachsorge.

Hans-Peter Lojdl
Heilpraktiker
Mitglied im Arbeitskreis Medizin
Mitglied im Bundesverband Neurodermitis

Quellenangaben:
(1) QUELLE: Niers L et al (2009): The effects of selected probiotic strains on the development of eczema (the PandA study). Allergy 149, 344 – 352 URL: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1398-9995.2009.02021.x/abstract