Weizen Unverträglichkeit

Weizen – Unverträglichkeit –  ATI-Proteine verursachen Darmreizungen

Kommentar zum Artikel „Nein, meinen Weizen ess` ich nicht!“ von Doris Neubauer in der FAS vom 19. August 2018

Sehr geehrte Damen und Herren der Redaktion der FAS,

am Ende des Urlaubs habe ich heute den obigen Artikel gelesen. Ein sicher wichtiges Thema da wir in den westlichen Industriegesellschaften ja zunehmende Zahlen von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen beobachten. Oftmals bleibt die Ursache dieser Probleme unklar – so kommen Moleküle unserer Geschirrspülmittel vom Besteck und dem Geschirr ebenso in Frage wie andere Stoffe oder Chemikalien in unseren Nahrungsmitteln.

Ich bin aber erschüttert über die einseitige Darstellung der Problematik im obigen Artikel die zeigt, daß sich Frau Doris Neubauer nicht intensiver mit der Problematik befasst hat. Das finde ich – für den Anspruch der FAZ und der FAS an die journalistische Qualität der Artikel – beschämend und für die Leser in Zeiten der „fake-news-diskussionen“ in der Tat irreführend da seit knapp zehn Jahren zunehmend Erkenntnisse über die Ursachen und Entstehung für diese Weizenunverträglichkeiten (NCWS) bekannt werden. Das aber fehlt im Artikel komplett.

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie deshalb den nachfolgenden Kommentar abdrucken könnten.

Mit freundlichen Grüßen und bestem Dank,
Dr. Michael P. Jaumann
Arzt für HNO, Umweltmedizin, Chirotherapie
73033 Göppingen

Weizenunverträglichkeiten – neue Erkenntnisse fehlen völlig !

Vor ca 15-20 Jahren wurde von deutschen Allergologen (Frau Professor Dr. Behrendt) als eine der Ursachen der rasant ansteigenden Allergien bei Jugendlichen und auch Erwachsenen gegenüber Frühblühern (insbesondere Birke) festgestellt, dass auf den Oberflächen von Birkenpollen von Birken an verkehrsreichen Straßen (Dieselabgase besonders) neuartige Eiweißstoffe zu finden waren die für unser Immunsystem entwicklungsgeschichtlich völlig neu sind und waren. Durch diese neuartigen Eiweiße wurden die Birkenpollen für uns Menschen „viel aggressiver“.

Genau dieser Sachverhalt scheint sich auch für einen Teil der „allergischen“ Dünndarmerkrankungen zu bestätigen: Forscher der Universitäts-Kliniken in Mainz, unter Leitung von Herrn Prof Dr. Dr. Detlef Schuppan, Gastroenterologe und Biochemiker, haben als Ursache für die Darmreizungen eine neue Gruppe von Proteinen im Weizen gefunden: Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI) in hohen Konzentrationen. Sie sind Begleitstoffe des Glutens. Diese ATI sind in den alten bzw ursprünglichen Getreidesorten nur in geringen Mengen vorhanden.

Das führt bei 5-10 Prozent der Weizenkonsumenten zu Unverträglichkeiten, der Nicht-Zöliakie-Weizen-Sensitivität (NCWS). Das hält auch der Hohenheimer Ernährungsmediziner Stephan Bischoff für wahrscheinlich. Sein Kollege an der Universität Hohenheim, Priv. Doz. Dr. Friedrich Longin ist sich diesbezüglich inzwischen sicher. So fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) seit 2016 ein Forschungsprojekt der Universitäten Mainz und Hohenheim zur „Weizensensitivität“ bei dem die ATI-Gehalte von über 160 Weizen- und Dinkelsorten, alte und moderne Sorten, an drei unterschiedlichen Standorten analysiert werden.

Hierbei muss man wissen, dass Ärzte in den letzten Jahren oftmals keine Erklärung für die häufig geklagten Darm-Bauch-Beschwerden der Menschen hatten – oftmals nur nach bestimmten Speisen wie Pizza etc. Es wurde dann oft eine Unverträglichkeit gegen das Gluten (Kleber-Eiweiß von Getreide) vermutet, die sich aber in vielen Fällen bei Labor-Untersuchungen nicht bestätigen ließ. Deshalb ist die Verunsicherung der Menschen groß und bedarf einer sachlichen, möglichst umfänglichen Information bzgl. der in Frage kommenden Ursachen. Weniger aus Hochleistungsweizen hergestellte Weißmehlprodukte zu essen ist sicherlich ein wichtiger Schritt. Denn eine Blutuntersuchung mit der die NCWS bestätigt werden könnte gibt es noch nicht.

Dr. med. Michael P. Jaumann
Arzt für HNO, Umweltmedizin, Chirotherapie
DGUHT Mitglied